Durch Wände gehen

Projekt in 3 Teilen; Installation, Video, Objekt; 2015

In Zusammenarbeit mit Ashraf Jabbal und Alexa Dreesmann

Auf Landkarten als klare Trennlinie erkennbar, ist die Grenze mitnichten ein statisches Gebilde. Tagtäglich wird sie von Menschen übertreten, aus unterschiedlichsten Beweggründen und unter verschiedensten Bedingungen. Die Grenze definiert einen nationalen Raum, politische Zuständigkeiten, Kriterien des Ein- und Ausschlusses und wird umkämpft, verschoben und ausgehandelt. Diese Prozesse schreiben sich im Alltag und den Biografien derer, die eine Grenze übertreten, fort.

Durch Wände gehen ist eine „Fähigkeit“, die man eher als Trick in Computerspielen kennt. Als Titel für Anna Witts Projekt umschreibt er den Umstand von Flucht, einer Bewegung, die raus aus einer bedrohlichen Situation, oft über Grenzen hinweg und entgegen Widerstände, an einen vermeintlich sicheren Ort führt. Tatsächlich bedeutet diese Bewegung für die Flüchtenden jedoch, eine prekäre Lebensrealität gegen eine andere zu tauschen. Und die Grenze ist dabei nicht die einzige Wand, die es zu überwinden gilt.

Ausgangspunkt für Durch Wände gehen sind zwei individuelle Erfahrungen von Flucht. In Zusammenarbeit mit einem nach Sachsen geflüchteten Syrer und einer aus der DDR geflüchteten Deutschen, sucht Witt nach Analogien zwischen aktuellen und historischen Ereignissen, die das Leben ihrer Protagonisten maßgeblich verändert haben. Ihre Arbeit konfrontiert unterschiedliche Wahrnehmungen, Blickachsen und Zuschreibungen miteinander. Um Fragen der Repräsentation und Identifikation zu untersuchen, erzählt Witt zunächst die Geschichten ihrer beiden Protagonist_innen. Die für die Räume der GfZK entwickelte Installation bildet den Rahmen für den filmisch begleiteten Dialog, der anfangs dokumentarisch ist und später auch fiktionale und narrative Elemente aufgreift. Die Installation wird nach und nach verändert und dient mal als Vorführraum und Bildarchiv, mal als mobiles Film-Studio.

Anna Witt ist Preisträgerin des Kunstpreises Europas Zukunft und hat in Zusammenarbeit mit der GfZK eine neue Arbeit entwickelt. Ihr Projekt Durch Wände gehen ist Teil der Ausstellungsreihe Travestie für Fortgeschrittene und wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes, die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und den Fonds Perspektive sowie alpha 2000 und Europas Zukunft Gesellschaft zeitgenössischer Kunst.

WALKING THROUGH WALLS

ongoing project in 3 parts ;installation, video, object; 2015

In collaboration with Ashraf Jabbal and Alexa Dreesmann

Walking through walls is an ongoing project about the status of being a refugee in Germany, in the case of two personal biographies; a former East German Refugee, who was trying to escape through the iron curtain to West Germany in the late 80ies and a young Syrian Refugee who recently made his way from Damascus to Leipzig.

"Walk through walls" is a skill that you know rather from computer games. As a title for my project it describes the situation of escaping a threatening situation, often across borders and under difficulties, to a supposedly safe place. In fact, this movement however means for the refugees, to replace a precarious reality of life for another. And the border is not the only wall that must be overcome.

WALKING THROUGH WALLS-Part 1 includes a video of the first meeting of the two persons, in which they took protocol of each other`s story in a neutral, almost bureaucratic way. Both stories are told alternately at the same time and seem to blur into each other, as the speakers sometimes switch from their own story to the story of the other. The video is shown within a flexible pole construction and a selection of media images chosen by the protagonist.

Image of