Connecting to people tattooed by Santiago Sierra, 2005
250 cm line tattooed on 6 paid people, Santiago Sierra 1999
Pushing and Pulling by Francis Alys, 1992-2002
Pushing and Pulling by Francis Alys, 1992-2002
Kärntnerstraße in Wien, Anna Witt, 2006
Stephansdom in Wien, Anna Witt, 2006
Ich und meine Sackkarre, 2005Was ist der Wert eines Körpers in Mexico City, einer Stadt mit 20 Mio. Einwohnern, auf dichtestem Raum? Was ist der Wert meines Körpers in so einer Stadt? Ich sollte in Mexico City eine Arbeit realisieren. Ich hatte 10 Tage Zeit und ich kannte diese Stadt nicht. In Berlin hatte ich eine Ausstellung gesehen mit dem Titel„Mexico City: Eine Ausstellung über die Wechselkurse von Körpern und Werten“. Als Repräsentant wurde sie nach Europa und in die USA transportiert. Aus dem Ausstellungskatalog: Osvaldo Sanchez schrieb „Ich weiß nicht, ob man das Nationale als einen moralischen Wert zu verteidigen habe oder als irgendeinen anderen Wert gegen das Globale. Doch wir wissen, dass uns das Nationale einen falschen Zustand von einer Einheit in Zeit und Raum anbietet. Es erstaunt mich, dass wir immer noch so tun, als würden wir nicht sehen, dass das Nationale ein Konstrukt des Staates ist, als Bezugssystem internationalisiert und keinen anderen Kontext darstellend als den des Zwangs.“ Die Ausstellung blieb mir gut im Gedächtnis, denn sie wurde zu meiner Assoziation mit dieser Stadt, bevor ich sie kennen lernte. (Import-Export) Francis Alys fotografierte Händler bei ihrem täglichen Weg zur Arbeit, beim Schieben oder Ziehen ihrer Güter. Ihr körperlicher Aufwand steht in direktem Verhältnis zum ökonomischen Wert ihrer Ware. Ich bin fasziniert davon real zu beobachten wie diese Händler riesige Berge von Gütern auf kleinen Sackkarren transportieren. Diese Wägen nennt man Diablito, übersetzt: kleiner Teufel. Mit Hilfe eines Bankers, den ich auf der Strasse kennen lerne, überrede ich einen der Straßenhändler mir seinen Diablito zu verkaufen. Sobald ich dieses Gerät bei mir habe, fühle ich mich seltsam sicher und eingebunden in die Normalität der Stadt, obwohl ich sichtlich mehr Aufsehen errege als ohne. Die Händler können sich nicht erklären, was ich als weiße, offensichtliche Touristin mit so einem Wagen vor habe. Mit dem Diablito und meinem restlichen Gepäck mache ich mich auf den Weg zum Flughafen. Dort checke ich ohne Probleme ein. Nach meiner Landung in Deutschland transportiere ich den Wagen zu verschiedenen Ausstellungen in Österreich und Deutschland. Nun steht er in der Sammlung Columbus Art Foundation, bei seinen neuen Besitzern. Was für einen Wert hat ein solches Objekt, seiner eigentlichen ökonomischen Umgebung entrissen und in eine andere Verwertungslogik eingeführt? Ich frage mich auch, was es zur Folge hat, eine Arbeit seiner lokalen Bestimmung zu entreißen und in eine vollkommen andere Umgebung zu transportieren. Für die Installation möchte ich ein einfaches weißes Metallgitter verwenden, wie es bei mexikanischen Händlern zum Bau ihrer Stände üblich ist. Schnell merke ich dass so etwas aufzutreiben wesentlich größere Umstände bereitet als ich dachte. Wird das Material hier nicht benötigt? Hat es zu mindere Qualität? Oder entspricht es nicht unseren ästhetischen Vorstellungen? Import - Export Santiago Sierra ist wie Franzis Alys „Wahlmexicaner“ Beider Wurzeln liegen in Europa. Wie Sierra ausdrückt „der künstlich am Leben erhaltenen Blase der Ersten Welt.“ Santiago Sierra bezahlte kubanische Prostituierte sich für den Wert einer Dosis Heroin eine Linie auf den Rücken tätowieren zu lassen. Diesen Strich lasse ich auf meinem Körper fortsetzen. Ich zahle 400 Pesos dafür. Würde ich die Frauen ausfindig machen und mich mit ihnen in einer Reihe aufstellen, ergäben wir eine Linie, ein Bild. Haben unsere Körper die gleiche Währung? Die frische Wunde der Tätowierung auf meinem Rücken nimmt mich mehr mit als ich dachte, ich fühle mich irgendwie angreifbar. Ein Versuch den Selbstwert meines Körpers auszutesten. Der Strich ist immer da. Am gleichen Tag noch bekomme ich eine Knarre an den Kopf gehalten und erfahre die Reaktion meines Selbstserhaltungsinstiktes. Ich laufe nicht weg sondern mache einfach die Augen zu und reagiere nicht.
Installation LothringerHalle13, 2006